
Immer weniger Hauptschüler © dpa
Berlin - Bund und Länder haben zum
zweiten Mal einen gemeinsamen Bildungsbericht vorgelegt. Hier einige
Ergebnisse aus dem über 330 Seiten starken Buch mit dem Titel
«Bildung in Deutschland 2008», das ein
Wissenschaftler-Team zusammengestellt hat.
MEHR FRÜHKINDLICHE BILDUNG: Die
Zahl der Dreijährigen, die bereits einen Kinderhort mit
frühkindlichen Bildungsangeboten besuchen, ist zwischen 2004 und
2007 um zehn Prozentpunkte gestiegen - auf 90 Prozent im Osten und
knapp 80 Prozent im Westen. Fast alle Vier- bis Fünfjährigen
besuchen Kindergärten.
WENIGER HAUPTSCHÜLER: Der Trend
geht weiter - wenn auch langsamer als in früheren Jahren: Es
gibt weniger Hauptschüler - dafür mehr Realschüler und
Gymnasiasten. Im Schuljahr 2006/2007 gingen bundesweit 18,9 Prozent
der Fünftklässler in eine Hauptschule - 2,6 Prozentpunkte
weniger als im Schuljahr 2004/2005. Der Anteil der Fünftklässler
im Gymnasium stieg im gleichen Zeitraum um 2,3 Prozentpunkte auf 39,9
Prozent.
OHNE SCHULABSCHLUSS: 2006 verließen
76 000 junge Menschen ohne Hauptschulabschluss die Schule - das waren
7,9 Prozent des Altersjahrganges. Zehn Jahre zuvor waren es 8,7
Prozent. Vielfach kann der Abschluss nachgeholt werden. Doch im Alter
von 18 bis unter 25 Jahren haben immer noch 2,4 Prozent keinen
Abschluss und befinden sich auch nicht mehr im Bildungssystem. Dieser
Wert hat sich seit 2000 sogar leicht erhöht.
PROBLEM HAUPTSCHULE: Nur 43 Prozent der
Hauptschüler finden in den ersten sechs Monaten nach Schulende
eine weitere qualifizierende Ausbildung. Die anderen drehen
«Warteschleifen» oder machen Zusatzkurse. Auch 30 Monate
nach Schulende sind immer noch 40 Prozent der Hauptschüler nicht
in eine Berufsausbildung vermittelt.
ZU WENIG STUDENTEN: Nach wie vor
verzichten laut Bericht zu viele junge Menschen auf ein Studium. Die
Studienanfängerquote am Altersjahrgang lag 2007 mit knapp 37
Prozent immer noch unter dem Höchststand von 39 Prozent (2003).
Sie ist damit weiterhin deutlich unter der politischen Zielmarke von
40 Prozent.
ZU WENIG WEITERBILDUNG: Die Beteiligung
an Weiterbildung stagniert. Laut Bericht sind auch die Angebote der
Unternehmen zwischen 1999 und 2005 «merklich gesunken».
Es gebe eine Diskrepanz zwischen öffentlicher Rhetorik über
lebenslanges Lernen und der tatsächlichen Beteiligung. Vor allem
Ältere und schlecht Qualifizierte müssten für mehr
Weiterbildung gewonnen werden.
PERSONAL: 1,5 Millionen Erzieher,
Lehrer und Hochschulmitarbeiter betreuen und unterrichten derzeit 17
Millionen Menschen. Doch der qualifizierte Berufsnachwuchs für
Kinderhorte und Schulen, aber auch für die Wissenschaft wird
immer knapper. Allein für den Ausbau der Betreuungsangebote für
unter Dreijährige werden laut Bericht bis zu 80 000 zusätzliche
Fachkräfte benötigt. An den Schulen ist jeder zweite Lehrer
älter als 50. In den nächsten 15 Jahren geht etwa die
Hälfte der heutigen Lehrkräfte in Pension. Heute schon
fehlen Lehrer für Mathematik und Naturwissenschaften.
FINANZIERUNG: Der Anteil der
Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist rückläufig.
Zwar haben Staat und Wirtschaft 2006 mit 142,9 Milliarden Euro fast
15 Milliarden Euro mehr für die Bildung ausgegeben als noch
1995. Bezogen auf das BIP sank jedoch der Anteil im gleichen Zeitraum
von 6,9 Prozent (1995) auf 6,2 Prozent (2006). Damit liegt
Deutschland unter dem Schnitt der anderen Industriestaaten.
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