
Mäppchen im Klassenzimmer - Bild: AP
Von Jacqueline Boysen
Kleine Klassen, individuelle Förderung,
bilingualer Unterricht und Ganztagsbetreuung: Die private Schule
Phorms bietet ihren Schülern schon einiges. Das besondere daran
ist jedoch, dass die Schule eine Aktiengesellschaft ist und mit der
Bildung irgendwann Geld verdienen will.
In der Grundschule von Phorms tollen
Kinder über die Gänge, eine Klasse sammelt sich zum
Sportunterricht und Lehrer drucken noch rasch Unterrichtsmaterial
aus. Äußerlich unterscheidet sich eine Phorms-Schule kaum
von anderen modernen Bildungseinrichtungen.
Das Konzept des Privatschulnetzwerks
aber ist einmalig in Deutschland: Phorms ist eine Aktiengesellschaft.
Die einzelnen Schulen in Berlin, Frankfurt, München und Köln
sind Töchter dieser AG und selbst gemeinnützige GmbHs. Die
Schulen erhalten von der Konzernmutter Kredite und überlassen
ihr das Personalmanagement. Das war die Idee der Investoren, die
Phorms mit einem Grundkapital von 11 Millionen Euro ausgestattet
haben.
Sie verstehen sich als social
entrepreneurs, als Unternehmer im Sozialsektor wie auch mit sozialem
Engagement, meint Bea Beste, Vorstandsvorsitzende der Phorms
Management AG
"Wir haben bewusst geguckt, wir
investieren Geld in eine Sache, die sich auch rentiert, aber nicht
für die schnelle Rendite, ja, wir investieren, aber das ganze
ist für Bildung."
Die gemeinnützigen Ganztagsschulen
von Phorms erheben selbstverständlich Schulgeld: zwischen 230
und 890 Euro pro Monat zahlen die Eltern für den bilingualen
Unterricht - je nach Einkommen gestaffelt. In der Grundschule in
Berlin rangieren die meisten Schüler mit 300 Euro pro Monat im
unteren Drittel der Schulgeldstaffel - für Bea Beste Beleg
dafür, dass Phorms keine Schule für Millionärskinder
ist.
Die Schule verspricht kleine Klassen,
deutsch-englischen Unterricht, individuelle Förderung und
Betreuung der Schüler und dies wohlgemerkt bis 18 Uhr. Einem
speziellen pädagogischen Konzept seien die Lehrer bei Phorms
nicht verpflichtet, wohl aber einer Idee:
"Wir verfolgen eine
unternehmerische Pädagogik. Wir wollen das Unternehmertum in
Kindern fördern. Das heißt nicht Wirtschaft, das heißt
sie sollen eigene Ideen entwickeln und sie später in die
Realität umsetzen. Diesem Gedanken folgt bei uns die Pädagogik."
Wer Phorms den Vorwurf macht, hier
würden Gewinne maximiert, der täusche sich, denn das
erwirtschaftete Geld werde reinvestiert, verteidigt Vorstandschefin
Beste das Prinzip der Phorms AG
"Der Investor und wir erwarten
ganz andere Dinge, die viel wichtiger sind: Top-Qualität in den
Schulen, eine Unternehmensstruktur, die sich messen kann mit Top-
Unternehmen, dann können wir über einen Börsengang
nachdenken, aber wir müssen erstmal laufen können, bevor
wir fliegen."
Sie können zu dem Thema auch ein
Gespräch mit Enja Riegel hören. Sie war Schulleiterin der
vielfach ausgezeichneten Helene-Weigel-Schule in Wiesbaden und hat
aus Frust über die Unbeweglichkeit staatlicher Schulpolitik
selber eine Privatschule gegründet.
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