Stadtteilbibliothek bekommt zweisprachige Kinder- und Jugendliteratur
Mülheim - (Uwe Schäfer, Kölner Stadt-Anzeiger, 15.12.2005) Ein symbolischer Scheck über 1000 Euro und das Kinderbuch "Kaninchenheimat" von Neset Ezol, in deutscher und türkischer Sprache verfasst, sind der Grundstock, den Kemal Bozay dem Förderverein "Lesen in Mülheim" für ein neues Projekt übergab. Die Stadtteilbibliothek richtet in der Kinder- und Jugendabteilung eine zweisprachige Ecke mit Schwerpunkt auf Deutsch und Türkisch ein. Der Mitarbeiter des Netzwerks ISS - Gesellschaft für interkulturelle ambulante Erziehungshilfe mbH, versprach zudem: "Wir werden den Förderverein und die Bibliothek dabei unterstützen, Migrantenkinder verstärkt ans zweisprachige Lesen heranzuführen."
"Die Beherrschung der Muttersprache ist Voraussetzung für das Erlernen einer zweiten Sprache", zitierte Peter Körner vom Spielball-Theater eine Lebensweisheit. Er zählt zu denjenigen, die in der Bibliothek Lesungen und Lesewerkstätten veranstalten. Körner und Bibliotheksleiterin Elke Blasczyk-Horn, freuten sich, dass die Kinder-und Jugendabteilung zweisprachig wird. Rolf Bauerfeind und Manfred Marmitt vom Förderverein machten deutlich, wie wichtig die Neuerung ist. So gebe es an Mülheimer Schulen oft Klassen, in denen nicht mehrheitlich deutsch gesprochen wird. Auf der anderen Seite gehörten Schüler zu den eifrigsten Nutzern der Bibliothek.
Alle Beteiligten haben bereits einschlägige Erfahrungen gesammelt - unter anderem beim so genannten "Rucksack-Projekt", in dem Mütter mit Migrationshintergrund gemeinsam mit ihren Kindern Deutsch lernen. Das Netzwerk ISS, ebenfalls im "Rucksack" eingebunden, arbeitet auf dem Gebiet der Familienhilfe in mehr als 20 Sprachen.
Das Geld für den Kauf der Bücher stammt aus Spenden, die ISS vor allem bei jungen Geschäftsleuten aus der Keupstraße sammelte. "Wir haben auch Verlage um Buch-Spenden gebeten", so Bozay. Er lobte vor allem die lokalen Kleinunternehmer, dass sie Verantwortung im Stadtteil übernehmen. "Wir selbst hätten gar keine Mittel, um so ein Projekt zu verwirklichen", fügte Bibliotheksleiterin Blasczyk-Horn hinzu. Manfred Marmitt vom Förderverein will sich zudem an die Schulen wenden: "Die Hauptschulen sind bereits stark am Projekt interessiert. Jetzt wollen wir mit ihnen über das Konzept beraten."
Manfred Marmitt, Kemal Bozay und Elke Blasczyk-Horn (v.l., stehend) sowie Rolf Bauerfeind und Peter Körner (v.l., sitzend) sind optimistisch, dass die zweisprachige Abteilung in der Kinder- und Jugendbücherei rege genutzt wird. BILD: SCHÄFER