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Futter für junge Bücherwürmer

Futter für junge Bücherwürmer

Drei Jugendliche durften nach Herzenslust Bücher für die Stadtteilbibliothek Sülz einkaufen. Kölner Stadt-Anzeiger, Marion Eickler, 29.11.05

Sülz / Klettenberg - Sie wollte den Jugendlichen einen Kaufrausch der besonderen Art verschaffen und wunderten sich schließlich über die Zurückhaltung von Hendrik (14), Annika (14) und Florian (15). Die Vorsitzende des Fördervereins der Stadtteilbibliothek Sülz, Margarete Verweyen und Vorstandsmitglied Elisabeth Gierse-Stobberg hatten sich mit dem Trio in der Buchhandlung Olitzky verabredet und ihnen ein einmaliges Angebot gemacht: Sucht Jugendbücher aus, die ihr in der Stadtteilbibliothek Sülz vermisst. Ihr könnt 700 Euro ausgeben.

Das Geld stammte aus Beiträgen der Fördervereinsmitglieder sowie Spenden. Verweyen: „Fast immer wird von Erwachsenen entschieden, welche Bücher für Jugendliche von einer öffentlichen Bibliothek angeschafft werden. „Lesezeichen" will auch hier ein Zeichen setzen und trotz der zurzeit begrenzten Mittel das Angebot an Lesestoff in der öffentliche Bücherei möglichst attraktiv halten. „Und junge Menschen sollen ihre Wünsche und Interessen selbst vertreten“, meint Verweyen. Aber gleich für 700 Euro? Die Jugendlichen schienen angesichts der hohen Summe ein wenig gelähmt. Und wo mancher zu opulenten Bildbänden und Gesamtausgaben gegriffen hätte, folgten sie der Macht der Gewohnheit ihres begrenzten Taschengeld-Budgets und wählten preiswerte Paperbacks. Jostein Gaarder war erste Wahl. Ebenso begehrt: Philip Ardagh, Mirjam Pressler und Cornelia Funke. Hendrik gab sich als Computerfreak zu erkennen und sorgte erst einmal dafür, dass die IT-Literatur in der Bibliothek wieder auf dem neuesten Stand ist.

Wichtig war allen drei, dass die ausgesuchten Bücher mehr als nur Geschichten zum Zeitvertreib bieten. Egal ob Roman oder Sachbuch, sie behandeln geschichtlich, philosophisch oder gesellschaftlich wichtige Themen. „Die Wahl fällt schwer“, meinte Florian und Annika musste sich erst orientieren, denn zur Zeit kommt sie selbst kaum zum Lesen. Die 14-Jährige besucht das Gymnasium Schaurtestraße in Deutz und verbringt viel Freizeit mit der Arbeit an der Schülerzeitung. Florian, der das Humboldtgymnasium besucht, arbeitet als Bücherjunge in der Sülzer Stadtteilbibliothek. Am leichtesten hatte es Hendrik vom Schillergymnasium: „Computerliteratur hat eine derartig kurze Halbwertszeit, dass man den Bestand ständig aktualisieren muss.“

Zuletzt hatten sie doch Bücher im Wert von 700 Euro in der Buchhandlung aufgestapelt. Im Haus an der Wichterichstraße sortierten die Bibliothekarinnen alles dankend in den Bestand ein. Sie waren es auch, die dem Förderverein die Jugendlichen vermittelt hatten. Verweyen: „Wir hatten um Jugendliche gebeten, die oft in der Bücherei sind.“


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