(KStA, Marion Eickler) - Der Verein Lesezeichen e.V. macht Kölnern ein Geschenk zu Weihnachten: „Auch im kommenden Jahr werden wir Hartz-IV-Empfängern die Jahres-Mitgliedschaft in der Stadtbücherei bezahlen", sagt die Vorsitzende des Fördervereins der Stadtteilbibliothek Sülz, Margarete Verweyen. Anfang 2006 hatten sie mit dieser Aktion im Verbund mit den Fördervereinen von Haus Balchem und der Stadtteilbibliothek Rodenkirchen begonnen. Nach der Pilotphase machten die Sülzer ab Mitte des Jahres alleine weiter. „Mittlerweile treten Menschen aus ganz Köln an uns heran, weil ihr monatliches Budget so knapp bemessen ist, dass auch die einmalige Ausgabe von 23,50 Euro Jahresgebühr wehtut“, so Verweyen. Von Januar 2007 an gibt es zwar auch für Hartz-IV-Empfänger wieder den Köln-Pass und damit die Möglichkeit, ermäßigt Mitglied der Stadtbücherei zu werden. Doch dazu meint Verweyen nur: „Auch den verringerten Preis können viele nicht zahlen.“
Frank Schwalm ist einer von ihnen. Seit er seinen Magister in Geschichte an der Uni Bonn gemacht hatte, fand er nur befristete Beschäftigungsverhältnisse. So arbeitete er ein Jahr im Heinrich-Böll-Archiv, ein anderes für den Bundesverband für NS-Verfolgte. Zur Zeit ist wieder arbeitslos. „Eine harte Erfahrung“, sagt der 38-jährige. „Man muss sich sehr einschränken, und das Schlimmste ist die viele Zeit, die sinnvoll gefüllt werden will.“ Glücklich war er daher, als er im Kölner Arbeitslosenzentrum den Antrag für den kostenfreien Bibliotheksausweis fand. „Das ging reibungslos. Zwei Wochen später hatte ich ihn.“
Seitdem kann er wieder nach Herzenslust in der Stadtbibliothek recherchieren, Zeitungen und Zeitschriften lesen, deren Anschaffung bei knapper Kasse nicht möglich ist. Denn Schwalm hat sich auch schon als Autor einen Namen gemacht. So stammt von ihm das im Bachem-Verlag erschienene Buch „Porz - Bergisches Tor am Rhein“. Manchmal fährt er auch nur in die Bücherei, um Musik zu hören. „Ich finde das Engagement von »Lesezeichen« großartig. Die Stadtbibliothek - das ist doch ein Ort der Kommunikation, der Weiterbildung und der Zerstreuung. Ich kann allen, die in einer ähnlichen Situation wie ich sind, nur raten: Geht da hin!“ sagt Schwalm. Dann schaut er im Briefkasten nach. Denn er wartet auf Antwort auf Bewerbungen, die er verschickt hatte.
Im Jahr 2006 hatten insgesamt 67 Menschen das Geschenk des Fördervereins angenommen. Sie nutzen seither die Bibliotheken der Stadt mit dem kostenfreien Ausweis. Selbst bezahlen müssen sie allerdings Mahngebühren, die möglicherweise anfallen oder Extragebühren, wie sie für die Ausleihe von Musik-CDs und Filmen erhoben werden. „Bei uns melden sich junge Arbeitslose ohne Schulabschluss ebenso wie gestandene Akademiker und Rentner, denen es materiell nicht so gut geht. Sogar ein Obdachloser fragte, ob auch er einen Ausweis haben könnte“, erzählt Lilli Gierse-Stobberg, die die Anträge bearbeitet. Sogar das war möglich. Der junge Obdachlose konnte über die Kontaktadresse des Obdachlosenzentrums „Gulliver“ einen Ausweis bekommen. Dort hat er ihn in der Zwischenzeit auch abgeholt.
„Bücher können einem Halt geben. Deshalb macht der Förderverein das solange weiter, wie er das Geld aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden dafür aufbringen kann“, meint Verweyen. Und Gierse-Stobberg sagt: „Sponsoren sind uns natürlich immer sehr willkommen.“