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Projekt "Bilingus" - Lesungen an Kölner Schulen

Peter Körner und Aydin Isik
Mülheim / Kalk (07.12.2006) - Markus ist umgezogen und geht in eine neue Schule. Auf der Suche nach Freunden lernt er Josef kennen, mit dem er sich gut versteht. Als er aber erfährt, dass Josef eigentlich Jussuf heißt und Türke ist, will er nichts mehr von ihm wissen. Sein Vater hat ihm nämlich gesagt, Türken würden den Deutschen die Arbeitsplätze wegnehmen. Die Geschichte „Sollen wir Freunde werden?" von Neget Erol beginnt traurig. Jussuf leidet darunter, von den anderen ausgegrenzt zu werden. Erst als Markus von einem Hund angegriffen wird und Jussuf ihm zur Hilfe eilt, kommen die beiden und ihre Familien einander näher.

Zwei professionelle Schauspieler, Peter Körner und Aydin Isik, lasen die spannende Story, die in zwei Sprachen verfasst ist, vor den Schülern der Klasse 3 c in der Gemeinschaftsgrundschule Kapitelstraße abwechselnd in Deutsch und Türkisch vor. Die Kinder hörten gespannt zu und wollten wissen, ob die Geschichte wahr sei. „So ähnlich ist es bestimmt gewesen", antwortete Körner. Den Kindern gefiel die Geschichte sehr gut. Sie kritisierten aber, dass Markus den Jussuf erst so tief verletzen musste. Sie wollen das Buch auf alle Fälle selbst noch einmal lesen. 

„Mein Kollege Ernst Montag erzählte mir von diesem Mülheimer Projekt", berichtet Klassenlehrerin Helene Koch-Maas über ihren Kontakt zum Förderverein „Lesen in Mülheim", der solche Veranstaltungen ermöglicht. Seit Ende September bietet er Grundschulen mit einem großen Anteil türkischer Schüler solche Lesungen an. „Wir sind der Meinung, dass Sprachkompetenz am besten gefördert wird, wenn die Schüler in Deutsch und ihrer Elternsprache gut sind", begründet Förderkreis-Vorstand Rolf Bauerfeind seine Motive.

Das Leseprojekt, von seinen Initiatoren „Bilingus“ genannt, wird von den Grundschulen in Mülheim und Kalk sehr gern in Anspruch genommen. Laut Projektkoordinator Matthias Gensch lesen die beiden Schauspieler zwei bis drei Mal in der Woche. Die Kosten übernimmt der Förderverein weitgehend selbst. Die Bezirksvertretung Mülheim schießt ihrerseits 1500 Euro aus bezirksdienlichen Mitteln zu. „Wir befinden uns derzeit in einer Probephase“, berichtet Rolf Bauerfeind. Im Frühjahr 2007 erfolge in Kooperation mit dem Netzwerk ISS eine Zwischenauswertung und wenn die positiv ausfalle, will „Lesen in Mülheim“ einen Förderantrag an die Landesregierung stellen.

Text und Foto: Uwe Schäfer (KStA)

KStA.de
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